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Informationstag „Flächendeckender Stromausfall und Krisenmanagement“ bei der ÜZ in Lülsfeld

27.07.2018

Informationstag „Flächendeckender Stromausfall und Krisenmanagement“ bei der ÜZ in Lülsfeld
 

Hintergrund und Motivation:

Bei verschiedenen Unterweisungen und Vorträgen der letzten Jahre bei den Feuerwehren, bei zahlreichen Gesprächen mit verantwortlichen Ansprechpartnern bei den Landratsämtern und Vertretern verschiedener Hilfsorganisationen zeigte sich, dass ein großes Interesse an weitergehenden Informationen zum Thema langandauernder Stromausfall besteht andererseits ein breitgefächerter Abstimmungsbedarf unbedingt notwendig ist.

Es geht hier nicht nur um den Black-Out – dem Ausfall der kompletten Stromversorgung, sondern um Vorsorge und Vorbereitung bei einer länger andauernden regionalen Störung der Stromversorgung. Denn im Hier und Heute in unserer hochtechnisierten Welt von IP-Telefonie, Internetnetzwerken und elektronischen Steuerungen aber auch bei der Nutzung ganz normaler elektrischer Geräte im täglichen Ablauf können mehrere Stunden Stromausfall schon zu erheblichen Problemen führen. Viele Menschen sind, ob im beruflichen Umfeld oder bei sich zu Hause, gar nicht mehr auf einen längeren Stromausfall vorbereitet. Erst im Fall der Fälle würden sie die Problematik erkennen und die drastischen Auswirkungen spüren.

So geschehen an Ostern 2018. Als in Folge eines Brandes unter einer Hochspannungsleitung große Teile des westlichen Landkreises Aschaffenburg für viele Stunden ohne Strom waren. Dies stellte sowohl für die Hilfsorganisationen als auch die örtlichen Energieversorger eine große Herausforderung dar.

Obwohl die ÜZ eine der geringsten Ausfallzeiten in Deutschland vorweisen kann, bereitet sie sich akribisch auf eben solch ein Krisenszenario vor. Schwerpunkt ist dabei die schnellstmögliche Wiederherstellung der regionalen Stromversorgung. Andererseits muss intern der Betrieb der Netzleitstelle und des Rechenzentrums, extern die komplette Kommunikation zu den Hilfsorganisationen und verbundenen Energieversorgungsunternehmen sichergestellt werden.

Auf Initiative des bei der ÜZ für das Krisenmanagement zuständigen Bereichsleiter Netzservice, Jürgen Kriegbaum, wurden aus den genannten Gründen die Mitarbeiter aller involvierten Bereiche zum ersten Krisenmanagementtag bei der ÜZ eingeladen (verantwortliche Mitarbeiter der Landratsämter, Abteilungen Öffentliche Sicherheit und Ordnung mit den Sachgebieten Katastrophenschutz; die Führungskräfte der Feuerwehren, von THW und den Rettungsdienstorganisationen; die Mitglieder der Unterstützungsgruppen „Örtliche Einsatzleitung“ bzw. der Sanitätseinsatzleitungen und Mitarbeiter der integrierten Leitstellen in Würzburg und Schweinfurt sowie Vertreter der örtlichen Polizei).
 

Stromversorgung und Krisenmanagement

Der Geschäftsführende Vorstand, Herr Gerd Bock begrüßte die 40 Teilnehmer bei der ÜZ. Nach einer kurzen Vorstellung der ÜZ erläutere er die aktuelle Situation der Energieversorgung im Zeitalter der Energiewende. Er stellte die herausragende Position der ÜZ vor. So erreicht die ÜZ, als ländlicher Energieversorger, schon seit Jahren - bei einer mit über 100 % regenerativen Einspeisung - die Ziele der Energiewende. Gleichzeitig betonte er, dass die dafür notwendigen Veränderungen enorme Investitionen in die Netzinfrastruktur der ÜZ mit sich bringen.

Schwerpunkte des Fachvortrags von Jürgen Kriegbaum waren der Aufbau und die Funktionsweise der Stromversorgung europaweit, detailliert über alle Spannungsebenen hinweg bis hin zur Steckdose vor Ort. Dies unter Berücksichtigung der Probleme der laufenden Energiewende mit den vielfältigen Einflussfaktoren auf die Versorgungsstruktur und die Versorgungsnetze.

Im Detail wurden die Störungsabläufe bei der ÜZ und die enge Zusammenarbeit mit den verschiedenen Hilfsorganisationen und Behörden dargestellt und besprochen. Die Möglichkeiten und Voraussetzungen für die Notstromversorgungen wurden eingehend thematisiert. Im Fokus stand hier die Priorität zur Aufrechterhaltung der Kommunikation zu den Hilfsorganisationen. Grund: Bei einem Stromausfall kommt es nach kürzester Zeit zum Zusammenbruch der Festnetz- und Mobilfunknetze. Auch Fernsehen und Radio können üblicherweise nicht mehr empfangen werden. Hier kann oftmals nur noch das Autoradio als zumindest zeitweise Möglichkeit zur Kommunikation zwischen Krisenstab und Bevölkerung als Informationsplattform genutzt werden. In diesem Fall stehen den Hilfskräften und der Polizei der Digitalfunk und der betriebseigene ÜZ-Digitalfunk zur Verfügung.
 

 

Gastvorträge

Durch die gute Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Roten Kreuz und der Staatlichen Feuerwehrschule in Würzburg konnten mit Kreisgeschäftsführer Thomas Lindorfer und dem Brandamtmann und Leiter Technik der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg, Herrn Dipl.-Ing. (FH) Stephan Brust zwei Referenten mit aktuellen Vorträgen zur Thematik gewonnen werden.

So beleuchtete u.a. Herr Brust die Herausforderungen für die Hilfsorganisationen, die im Falle eines Stromausfalls selbst auf die Feuerwehren, THW und Rettungsdienst zukommen. Von der Alarmierung angefangen, über die Versorgung der eigenen Gebäude bis hin zur Aufrechterhaltung der Einsatzfähigkeit von Personal und Fuhrpark.

Einen Schwerpunkt der technischen Erläuterung bildete der wichtige Hinweis, dass viele der üblichen aktuellen Notstromaggregate der Hilfsorganisationen nicht für eine direkte Einspeisung in Gebäude geeignet sind. Dies führte er eindrucksvoll vor. An einem Testobjekt erzeugte er einen geplanten Kurzschluss, um so den Nachweis der Unterschiede zum „normalen“ Stromnetz zu veranschaulichen.
 

 

Fazit

Im Nachgang zu den Vorträgen konnten umfangreiche Fahrzeuge der ÜZ und der Feuerwehrschule sowie Notstromaggregate besichtigt werden. Eine Führung durch die Netzleitstelle, das ÜZ-Rechenzentrum sowie weitere Einrichtungen auf dem ÜZ-Gelände rundeten das Programm ab.

Nach einer sehr regen Diskussionsrunde zum Abschluss der Veranstaltung bedankten sich die Teilnehmer bei der ÜZ für die gezeigte Initiative und die sehr gute Organisation der Veranstaltung. Einhellig war der Wunsch nach einer Fortsetzung dieses sehr interessanten Informationsaustauschs in zwei oder drei Jahren. Denn wie heißt der Untertitel von Black Out dem Buch von Marc Elsberg: „Morgen ist es zu spät!“ Und dieses Szenario wollen wir alle gemeinsam verhindern.

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