ÜZ

Nahwärmenetz besteht Feuertaufe

26.03.2012
Erschienen in der Main Post am 26.03.2012, Verfasser: Andreas Stöckinger
 

Mischung aus Biogas und Hackschnitzel versorgt Wohngebiet und Gymnasium

Den ersten Winter hat das Wiesentheider Wärmenetz bereits erfolgreich überstanden. Erfolgreich heißt, ohne technische Probleme und mit genug Wärme für die bereits angeschlossenen 60 Häuser in der Prichsenstädter Siedlung und im Neubaugebiet „Weihersbrunnen“. Auch der Großabnehmer, das Gymnasium samt Internat, wird davon versorgt. Am Samstag fand die Einweihung und ein Tag der offenen Tür statt, bei dem sich viele Interessierte die Technik anschauten.

Es ist ein Projekt, auf das Wiesentheids Bürgermeister Werner Knaier und seine Gemeindeverantwortlichen stolz sind. Zusammen mit der Überlandzentrale Lülsfeld betreibt die Gemeinde nun ein Nahwärmenetz, das seine Energie etwa zu 60 Prozent von der Biogasanlage in Reupelsdorf bezieht. 38 Prozent wird aus Hack- schnitzel erzeugt, die im Heizhaus direkt an der Prichsen- städter Straße gelagert und verschürt werden. Die restlichen zwei Prozent können aus der Ölheizung des Gymnasiums bei Bedarf kommen.

„Das Projekt ist ein Paradebeispiel für die Energiewende. Mehr Zuverlässigkeit und Sicherheit können sie vor Ort nicht erwarten“, sagte Betriebsleiter Gerd Bock von der Überlandzentrale. Er zählte weitere Vorteile auf. Die Energie werde „ausschließlich in der Region erzielt und verteilt, es ist eine solide Technik, die Zukunft hat.“

Rund 1,6 Millionen Euro kostete das Projekt, das vor eineinhalb Jahren begonnen wurde. Zunächst sollte es nur für das Neubaugebiet sein. Doch dann stellte sich heraus, dass ein Großabnehmer nötig sei, um das Ganze rentabler zu machen, so Knaier. Die Schule signalisierte Interesse, da die dortige Ölheizung in die Jahre gekommen war. Damit war der Groß- abnehmer gefunden.

Schließlich ergab sich die Möglichkeit, zusätzlich Energie von der Biogasanlage in Reupelsdorf zu bekommen, die bereits eine Gärtnerei in Wiesentheid beliefert. Das notwendige Blockheizkraftwerk wurde an das in der Grundfläche 14 mal sechs Meter große Heizhaus angebaut, um dort den Strom einzuspeisen, der das Wärmenetz mit versorgt. Nicht ganz einfach sei der Schallschutz gewesen, führte Bernhard Bedenk von der ÜZ aus. Die Geräusche der Motoren des Blockheizkraftwerks mussten wegen der direkt daneben liegenden Schule und des Wohngebiets „erheblich gedämmt werden“, was hörbar gelang.

Wiesentheid deckt nun 48 Prozent der benötigten Energie aus regenerativer Energie. Insgesamt 2700 Meter Leitungen sind verlegt. Knaier hofft, dass noch viele Bürger in den Gebieten auf die neue Energie zum Heizen setzen. Sogar an Nistkästen für Vögel wurde am Heizhaus gedacht. Pfarrer Martin Fromm und Dekan Karl Leierseder segneten das Heizhaus. Die Besucher nutzten später die Möglichkeit zur Führung durch die einzelnen Bereiche.

 

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