ÜZ

Wie viel Strom fließt am Tag?

25.01.2010
Zeitungsartikel aus der Main Post erschienen am 23.01.2010, verfasst von Susanne Wiedemann.


Elektronische Zähler sollen einen genauen Überblick über den Verbrauch geben
  
Christian Schraut ist im Moment so etwas wie sein eigenes Versuchskaninchen. Er testet bei sich zu Hause elektronische Stromzähler. Schraut ist bei der Unterfränkischen Überlandzentrale (ÜZ) Lülsfeld Projektleiter für die Einführung der neuen Geräte – und für Smart Metering, intelligente Messung.
 
Zum 1. Januar schreibt das Gesetz den Einbau elektronischer Zähler in Neubauten vor. Ziel: Die Verbraucher sollen einen genauen Überblick bekommen, wie viel Energie sie verbrauchen, zu welcher Zeit der meiste Strom fließt. Und sie sollen mit einem Blick sehen, was sie verbrauchen. Dass dadurch Strom gespart wird, glauben Christian Schraut und Betriebsleiter Gerd Bock allerdings nicht.
 
Wer daheim Strom sparen will, braucht energiearme Geräte und muss in erster Linie sein Verhalten ändern. Also zum Beispiel den energiesparenden Kühlschrank nicht neben die Heizung stellen. Das kommt gar nicht so selten vor, weiß Gerd Bock. Deswegen hält er nach wie vor Energieberatung für einen ganz wichtigen Beitrag zum Sparen.
 
Klar sieht man mit dem neuen „Tageskilometer-Zähler“ auch genau, wieviel Strom die Stand-by-Schaltungen verbrauchen: „Aber das weiß man ja eigentlich“, meint Schraut.
 
Nicht so einfach machbar

Eine gewisse Verunsicherung hat er bei Kunden festgestellt, die sich fragen, wann sie denn einen Zähler kriegen, wenn das zum 1. Januar Pflicht ist. Das Gesetz trägt nämlich einen Zusatz: „sofern dies technisch machbar und wirtschaftlich zumutbar ist.“ Und auf dem flachen Land ist das technisch noch nicht so einfach machbar. In einem Stadtnetz, mit flächendeckendem DSL, ist diese Art der Strommessung einfacher zu bewerkstelligen als in einem großflächigen Gebiet mit DSL-Lücken, sagt Bock. Außerdem will die ÜZ erst noch verschiedene Geräte testen. Bock sieht die Gefahr, dass sonst relativ schnell neue Zähler eingebaut werden müssen, weil die Einsteigermodelle doch nicht geeignet waren. „Im April bauen wir die ersten neuen Zähler ein“, meinen Bock und Schraut. Die ÜZ testet jetzt nicht nur Zähler. Sie sucht auch nach einer Möglichkeit für das automatisierte Ablesen der Geräte. In einem Gebiet mit DSL-Lücken wird das wohl langfristig auf eine Funklösung herauslaufen, sagt Bock. Die Energieanbieter müssen einiges investieren, das wird sich sicher auch irgendwann auf die Endpreise niederschlagen. Und auch die neuen Messgeräte sind mit 40 bis 50 Euro etwas teuer als die alten.
 
 
Zusatzfunktionen möglich

Theoretisch könnten die neuen Geräte aber noch einiges mehr. Der Kunde könnte sich die Daten auf seinen Computer
 übertragen lassen, dort seinen Stromverbrauch überprüfen. Theoretisch könnte er auch reagieren, wenn Energie gerade besonders günstig ist, und eben dann Waschmaschine und Trockner anschmeißen. Der Anbieter könnte so auch Angebot und Nachfrage ausbalancieren. Theoretisch ließe sich die Technik auch mit Zusatzfunktionen koppeln. Zeigen die Daten, dass eine alte, alleinlebende Frau länger den Kühlschrank nicht aufmacht, könnte sie Hilfe brauchen, weil sie gestürzt ist. Ob das möglich sein wird, ist aber vor allem auch eine Frage des Datenschutzes, sagt Bock. Momentan sind die neuen Zähler ja nur in Neubauten vorgeschrieben. Gerd Bock glaubt aber, dass der Zähler mit Display Zug um Zug das vertraute schwarze Kästchen ablösen wird. „Das wird sein wie mit den Wählscheiben-Telefonen: Die werden einfach nicht mehr produziert.“
 

 

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