ÜZ

Windkraft aus 140 Metern Höhe

08.02.2012

Zeitungsartikel erschienen in der Mainpost am 07.02.2012, Verfasser: Norbert Finster.
 

Bau von fünf Riesenspargeln der ÜZ bei Waldsachsen hat begonnen

Gigantisch und futuristisch wirken sie – die drei großen Windräder, die bereits hoch über dem Maintal zwischen dem Schonunger Ortsteil Waldsachsen und dem zu Gädheim gehörenden Bayerhof stehen. Und zurzeit wächst die erste von fünf Windkraftanlagen der Unterfränkischen Überlandzentrale (ÜZ) in die geplanten 140 Meter Höhe.

Mit einem überdimensionalen Kran setzen Mitarbeiter des beauftragten Generalunternehmers juwi Ring für Ring aus Stahlbeton auf das 2000 Tonnen schwere Betonfundament. Der Turm des sich nach oben verjüngenden Windrades selbst wird 110 Meter hoch. Zusammen mit den Rotoren erreicht der Riesenspargel aus der modernsten Bauserie „Enercon E 82“ dann eine Endhöhe von 140 Metern.


Eine Windkraftanlage bringt es vom Sockel bis zur Rotorenspitze auf ein Gewicht von 200 Tonnen. Alleine die Hälfte davon entfällt auf das Maschinenhaus mit dem Stromgenerator.

Die fünf Windräder der ÜZ sollen in rund drei Monaten – natürlich gibt es Witterungsabhängigkeiten – die Stromproduktion aufnehmen, sagt Robert Ruppenstein, beim Lülsfelder Versorger zuständig für Vertrieb und Beschaffung. Neben dem Aufrichten des ersten Energieturms sind bereits die Fundamente für die anderen vier Windräder gegossen und die ersten Ringe aufgesetzt.

In unmittelbarer Nachbarschaft erzeugen auf der Anhöhe neben der B 303 schon heute drei Anlagen Strom, die jeweils der Windkraft Bayerhof GmbH mit Sitz in Iphofen gehören. Initiator Gebhard Karch erklärt dazu, die ersten beiden Anlagen mit einer Leistung von einem Megawatt gingen bereits 2003 in Betrieb, die dritte mit zwei Megawatt erst Ende des vergangenen Jahres. Die beiden älteren Bayerhof-Windräder speisen ins Netz von E.ON ein, die neue Anlage produziert Strom für das Stadtwerk Haßfurt.

Nicht weit weg von diesem Standort, nur wenige Hundert Meter weiter östlich bei Buch, drehen sich zwei weitere Windräder. Der dort erzeugte Strom wird ebenfalls ins Netz des Stadtwerks Haßfurt eingespeist.

Die Unterfränkische Überlandzentrale (ÜZ) bekennt sich seit Jahr und Tag zu den regenerativen Ideen und investiert folglich auch kräftig in die Windkraft. Bereits beteiligt ist die ÜZ im Windpark Zieger bei Neumarkt mit fast 2,0 Megawatt und im Windpark Domitz bei Halle mit 1,6 Megawatt. Der größte Wurf aber soll bei Waldsachsen entstehen, wo die ÜZ mit den fünf gerade entstehenden Anlagen zusammen 11,5 Megawatt aus der Windkraft gewinnen will. Diese Anlagen sollen zwischen 15 und 18 Millionen Euro kosten.

                           

Für diesen Standort wurde eine eigene Betreibergesellschaft als Tochter der ÜZ gegründet, die ÜZ Windpark Schonungen GmbH & Co. KG mit Sitz in Schonungen. Geplant ist eine direkte und eine indirekte Beteiligungsmöglichkeit an der Windkraft, teilweise unter Einbeziehung regionaler Partner. Dazu werden im Frühjahr entsprechende Angebote herauskommen (über die weitere bauliche und finanzierungstechnische Entwicklung werden wir noch berichten).

Der erzeugte Strom wird über eine Leitungslänge von 16,5 Kilometer von Waldsachsen in die Nähe von Heidenfeld zum dortigen neuen Umspannwerk der ÜZ transportiert. Dazu wurde ein neues 20-kV-Kabelsystem errichtet, welches je Einzelader einen Querschnitt von 300 Quadratmillimeter besitzt. Die Verlegung erfolgt größtenteils im Kabelpflugverfahren. Die Unterquerung des Mains, der Autobahn A 70 und anderer Straßen wird im Spülbohrverfahren erledigt. Diese Leitungstrasse kostet noch einmal rund eine Million Euro.

In Sichtweite der neuen Windräder dampfen übrigens noch die Kühltürme des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld. So ist momentan auf dem Hochplateau über dem Main bei Schonungen ein durchaus symbolträchtiges Bild des Übergangs zu sehen. Denn das Kernkraftwerk soll voraussichtlich 2015 stellgelegt werden. Die 20 Megawatt, die die zehn Anlagen bei Schonungen zusammen erzeugen werden, ersetzen freilich nur einen winzigen Bruchteil der 1300 Megawatt, die das Kernkraftwerk im Moment noch produziert.

Die ÜZ ist allerdings schon sehr weit vorangeschritten auf ihrem Weg aus dem Kernkraftzeitalter. Bereits 40 Prozent des abgegebenen Stroms kommen gegenwärtig aus regenerativen Energien.      

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